Freitag.
27.01.2023 20:48Habe die ganze letzte Woche mal ohne süße Früchte gelebt. Also im Grunde ohne Früchte, wobei Oliven ja auch Früchte sind, aber eben keine süßen.
Hatte die Sperre. Ich hatte mir eine recht große Bestellung vom Fruchtboten über die Feiertage geleistet, vielleicht waren es auch zwei, aber da gab es mal wieder richtig viele süße Sachen wie Cherrimoyas, Papaya, Wabenhonig von Jörg, aber auch fette Sachen wie Avocados. Und viele Orangen. Plötzlich hatte ich aber die Sperre. Keine Lust mehr auf Früchte.
Dafür Rindfleisch, Eier, Erdnüsse, Möhren, Algen, Oliven, sehr sehr viel Fenchel und Sellerie. An Wasser trinke ich nur noch Lauretana und Plose. Alles Wasser mit mehr Mineralstoffen - Sperre.
Nachrichten, Angstkram - Sperre.
Job - Sperre.
Zank und Streit - Sperre.
Krach und Lärm - Sperre.
Jetzt gehe ich erstmal zur Massage. Bin verspannt.
Mir ist aufgefallen, dass es auch während des Alltages eine horizontale und eine vertikale Ebene gibt. Der Mensch ist ja eigentlich aufgespannt zwischen Himmel und Erde. Fast alle Tiere sind sehr stabil auf der Erde gebunden, ihr Körper ist horizontal ausgerichtet.
Nicht so der Mensch. Er streckt sich in den Himmel. Und beim Meditieren spürt man das ganz besonders. Ein fester, geerdeter Sitz und dann reckt sich die Wirbelsäule in den Himmel.
Ohne diese Wiederanbindung an das Himmlische werden wir wahrscheinlich verrückt und verzetteln und verlieren uns in der horizontalen Ebene. Also dem Alltag mit all seinen illusionären Erscheinungen.
Es braucht also immer wieder auch diese vertikale Anbindung. Die befreit das Herz. Die Erde unten, der Himmel oben, das Herz auf Höhe der Mitmenschen.
Diese vertikale Ausrichtung scheint auch für das Leben und die Liebe generell bedeutender zu sein, als die horizontale Ausrichtung.
Bzw. es scheint mir wichtig zu sein, es immer wieder harmonisieren. Sprich, man verzettelt sich sehr schnell in der horizontalen Ebene. Es braucht aber immer wieder auch die Anbindung an das Himmlische.
Filme spielen hier eine große Rolle. Musik auch. Alles, was uns aus dem Alltäglichen herausreißt und uns an etwas erinnert, was eben oft mit "himmlisch" oder "paradisisch" beschrieben wird.
Im Film "Just like heaven" - oder "Solange Du da bist" - ist diese vertikale Ebene symbolisch durch das Haus dargestellt worden.
- Spoiler -
Elizabeth wohnt ja ganz oben. In einer sehr netten Wohnung. Aber sie ist eben da alleine. Über ihr ist das Dach, zu dem sie zwar Zugang hat, die nächste Ebene, aber es ist eben wüst und leer. Und sie ist nur noch als Geist in dieser Wohnung. Unten wohnte die verführerische Nachbarin, die alles daran setzt, den netten Nachbarn David zu verführen.
Da haben wir die verschiedenen Ebenen.
Dann haben wir Geist über Körper. Die verführerische Nachbarin würde den David runterziehen, auf diese Ebene. Er widersteht, die Liebe verhindert es. Trotz massiver Versuchung. Er entscheidet sich für den Geist von Elizabeth vor dem Körper der sexy Nachbarin. Und das ermöglicht es ihm, die Elizabeth wieder zu erwecken. Das Schlafende wird durch die Liebe erweckt. Das schlafende Weibliche wird durch die echte Liebe eines Mannes geweckt. Das ist ein sehr altes Thema. Gibt es in einigen Märchen.
Und David erschafft für Elizabeth auf dem wüsten und öden Dach, auf dem nur mal so ein paar vertrocknete Pflanzen standen (auch ein Hinweis), einen Garten. Das hat eine unglaublich tiefe Symbolik. Der Garten ist immer so etwas wie im Tarot "Die Welt". Also der Ort, wo man hingehört. Hier erfüllt es sich.
Zusammen sind sie dann auf der nächsten Ebene. Die Liebe macht aus dem öden Betondach einen blühenden Garten.
Faszienierend ist die Einbeziehung der Hellsichtigkeit. Elizabeth träumt ja vor ihrem Unfall von einem Garten. Und zwar von einem, den es wirklich gibt und der vom David erschaffen wurde.
Der Film zeigt also auch wieder diese vertikale Ausrichtung. Unten das rein körperliche, darüber das rein geistige, und ganz oben dann die Verbindung von Körper und Geist in Liebe. Erst da entsteht dann der Garten. Also das Symbol für Erfüllung, Verwirklichung, Glück.
Hieronymus Bosch hat das auch im Bild "Der Garten der Lüste" so gezeigt:

Die Tiere sind alle horizontal ausgerichtet, aber da ist etwas, was eben nicht tierisch ist und das ganz vertikal ausgerichtet ist.
Diese vertikale vs. horizontale Ebene hat man in vielen Märchen und Filmen. Titanic, Notting Hill, Just like Heaven, The Notebook. Und davon werden die Menschen oft zutiefst berührt! Sie heulen im Kino, oder vor dem Fernseher. Weil es eben um dieses existenziell bedeutende Thema der horizontalen Liebe geht.
Zumeist wird es so dargestellt, dass die Frau eine Prinzessin ist, oder aus gutem Hause stammt, oder eben ein Filmstar ist, die irgendwie mit jemanden aus der gleichen sozialen Schicht verbandelt ist, oder werden soll, aber dann taucht die vertikale Liebe auf. Der Bauernsohn, der Buchhändler, der Unterschichtenjunge ... und entgegen allen Widerständen und sozialen Grenzen ist da plötzlich die große Liebe.
Die Liebe Gottes ist ja auch vertikal.
Er, glaubt man daran, ist im Himmel, wir sind auf der Erde.
Also auch da findet sich diese vertikale Ebene.
Auf der horizontalen Ebene leben die Tiere. Kopf vor, Geschlechtsteile hinten.
Der Mensch ist ganz anders strukturiert. Kopf oben, alles andere darunter aufgereiht. Über ihm der Himmel, das Göttliche, dem sich alles andere ganz natürlich unterordnet. Oder unterordnen sollte. Oder einordnen sollte. Was sicherlich eine der schwersten Aufgaben überhaupt ist.
Ein weiterer Punkt ist eben auch, dass alle Frauen, egal ob in den Märchen oder Filmen, keinen Versorger suchen, sondern finanziell immer unabhängig sind. Entweder aus gutem Hause, Filmstar, Oberärztin, Prinzessin.
Wenn eine Kultur diesen Aspekt der Liebe verloren hat, werden Filme wie oben genannt essentiell. So wie Prostitution notwendig wird, sowie die Sexualmoral Einzug hält und die Menschen entsprechend einengt. Sofort entsteht Prostitution. Ohne diese Dienstleistungen würde die Gesellschaft kollabieren. Es ist etwas der schäbige Rest dessen, was ursprünglich da war.
Und wenn es im realen Leben an Magie und Zauber, als Begegnung und ... etwas Ergreifenden fehlt, dann liefert es Hollywood.
Und sie zeigen auch ganz genau, was fehlt, eben diese vertikale Ebene. Denn alle Filme, die mitnehmen und berühren, funktionieren vertikal in der Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau.
Und wenn diese Liebe untergeht, wie in Titanic gezeigt, heulen alle Rotz und Wasser. Erfüllt es sich, wie in "Just like heaven" oder "Notting Hill", lächeln alle.
Wir Menschen werden von der vertikalen Liebe immer tief berührt. Von ihrer Kraft, Schönheit und es rollen die Tränen, weil wir an das Scheitern in unserem Leben erinnert werden. Dann quäkt man erst einmal, ohne genau zu wissen, warum. Oder man verhärtet sich noch mehr: So ein Müll!
Diese Art Filme sind also essentiell wichtig für das Funktionieren der Gesellschaft.
Ohne diese Filme würden die Menschen nicht mehr so funktionieren, wie sie es jetzt tun. Genau wie die Gewaltfilme, in denen der Bösewicht am Ende seine Strafe bekommen muss. Unbedingt, damit man erleichtert aus dem Kino geht.
Die vertikale Liebe scheitert. Das macht eben auch aggressiv und dann braucht es eben entsprechende Blitzableiter. Eben der Bösewicht, der erst einmal den Hass der Menschen schürt, am Ende aber seine Strafe bekommt. Boxkämpfe, Hahnenkämpfe, irgendsowas.
Und eben fürs Gefühl Märchen und Filme, die mal diese Art der Liebe zum Thema haben.
Im Grunde also Opium fürs Volk, damit es noch etwas länger alles erträgt.
Na schauen wir mal, wohin sich die Gesellschaft so entwickelt...
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