Gordian Troeller - Abschied vom Lachen.
02.01.2023 09:51Wie ich gestern schrieb, gibt es noch einige Matriachate, in denen eben das Einkommen des Mannes keine Rolle spielt. Vor Jahren habe ich mal eine Doku über eine Stadt in Mexico gesehen, in der die Frauen sich um das Geld gekümmert haben. Männer hatten da keinen Cent. Die Frauen haben gesagt, die Männer verplempern das Geld nur für Nichtigkeiten und für andere Frauen und so haben die das an sich genommen. Die waren auch sehr selbstbewusst.
Die Männer haben gerbeitet, das war deren Status. Also wer gut im Garten arbeitet. Die Frauen haben den Markt abgehalten. Alles Geld, was übrig blieb, wurde in Gold angelegt. Wenn es knapp wurde, wurde etwas Gold verkauft.
Eine Frau hatte von ihrer Mutter das Hotel übernommen und sich einen Mann aus der Nachbarstadt genommen. Mexico = Machos. Da gab es, so erzählte er, einige Diskussionen. Aber er hat es am Ende eingesehen und tatsächlich geht es den Leuten dort besser wie ringsrum.
Auch haben Schwule keinerlei Probleme da. Eine Frau ging immer mit ihrem Sohn, einem Transsexuellen, der sich als Frau aufführte, spazieren. Die Frage, wie sie das finde: Das ist mein Lieblingssohn.
Die Männer in der Stadt wurden befragt, die kannten den ja alle. Nö, kein Problem. Wenn er gut arbeitet, passt es. Keine Aggressionen.
Schon interesant, dass in manchen Kulturen die Homosexuellen verfolgt und misshandelt werden, und woanders nicht. Das ist also kein grundsätzliches Problem, sondern scheint von den Strukturen (100%ige Matriachate - Übergangsformen - 100%iges Patriachat) abzuhängen. Je patriachaler es wird, also wenn der Mann immer mehr zum Herrscher wird, desto schwulenfeindlicher wird es. Muss es werden, weil die Männer eben diese Entmännlichung fürchten. Das Schimpfwort Schwuchtel meint ja genau das: Du bist kein richtiger Mann!
In den Matriachaten aber ist das ganz offensichtlich nicht der Fall. Wieso nicht?
Ich sehe gerade, dass sogar das 8-minütige Video zum Stamm in Südamerika, den ich gestern angeführt hatte, nicht mehr zu finden ist. Und es heißt "Abschied vom Lachen".
Peru, 1981
Die Campa, die in den Regenwäldern des Amazonasbeckens leben, konnten zum Teil ihre traditionelle Lebensweise beibehalten. Männer und Frauen verrichten unterschiedliche Arbeiten. Die Frauen sind für den Ackerbau zuständig, während die Männer jagen und fischen. Diese Arbeitsteilung unterliegt jedoch keiner Wertigkeit, denn jede Arbeit ist gleich wichtig, um das Überleben der Gemeinschaft und ihren Zusammenhalt zu sichern. Da kein Überschuß produziert wird und Besitz nicht mit Macht verbunden ist, gibt es auch keine Aufteilung der Gesellschaft in Reiche und Arme, in Herrscher und Beherrschte. Da das Amazonasgebiet reich an Rohstoffen ist und von der Regierung erschlossen werden soll, mußten viele Campa bereits ihr Land verlassen. Wie andere indianische Gruppen, die aus dem Amazonasgebiet vertrieben wurden, sind auch sie in den neu errichteten Siedlungen den westlichen Einflüssen, vermittelt durch Staat, christliche Missionen und Tourismus, ausgesetzt. Der Zerstörung ihres wirtschaftlichen Lebensraums folgt die Zerstörung der kulturellen Werte. Hauptbetroffene sind die Frauen, denn sie nehmen in der patriarchalisch organisierten Gesellschaft, in der individuelle Leistung mehr bedeutet als die Solidarität der Gruppe, eine untergeordnete Stellung ein.
www.troeller-deffarge.com/filme/frauen-der-welt/abschied-vom-lachen/
Die Doku habe ich schon als Jugendlicher im ZDF gesehen. Und verstanden.
Es gibt dazu auch ein Skript.
Sehr interessant:

Also genau so, wie ich es sagte: Elefantenherde, Orkaschule: die Frauen bleiben zusammen und sorgen für sich und die Kinder. Suchen sich die Männer, die passen, aus.
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Ganz anders, als die langen Arbeitsstage hier.

Und wie ich schon schrieb (bei sowas habe ich ein sehr gutes Gedächtnis, dass habe ich mir schon beim ersten Ansehen gemerkt):

Also im Skript kann man den Text der ganzen Doku nachlesen. Und wer will, kann sich die DVD bestellen.
Es gibt da noch mehr Sachen zu entdecken auf dieser Seite.
Aber diese Doku fand ich schon als echtes Bildungsfernsehen. Aber diese ganzen Sachen, die wir hier als Überzeugungen haben, stammen eben aus einer Zeit, als die Überbevölkerung einsetzte und der Lebensraum immer intensiver bewirtschaftet werden musste.
Und woher kommt die Überbevölkerung?
Im Grunde stecken wir ziemlich tief im Schlamassel. Keiner weiß mehr, wie es geht und wie wir da wieder rauskommen sollen.
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