Noch ein paar Gedanken zur Liebe.
10.01.2023 17:01So, meine Notting Hill Phase geht so langsam zu Ende, der Alltag tritt wieder in den Vordergrund. Aber ich hatte dennoch etwas Zeit, mich mal über die weibliche Energie in diesem Film Gedanken zu machen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir bisher noch nicht klar darüber bin, was genau man hier zeigen will, bzw. ob es wieder eine Manipulation ist, oder ein großer Hinweis.
Ich weiß es nicht - Aber gut.
Also wenn man sich die weibliche Energie im Film mal anschaut, dargestellt durch Julia Roberts, dann fällt als erstes auf, dass diese Energie als sehr schön, fast göttlich dargestellt wird. Sie ist ein wunderschöner Filmstar, steht also im Rampenlicht, man kann auch sagen, IST das Licht.
Mich hat schon immer auch gewundert, wieso Menschen auf Bühnen, vor allem Musiker, so angehimmelt werden. Oder Filmstars, die man im Kino sieht. Als ob die etwas verkörpern, was im normalen Alltag keine Rolle mehr spielt. So eine Energie, die man nicht hat, aber gerne haben möchte und die so etwas Lichtvolles hat, aber auch sexuelles.
Irgendwo habe ich mal gelesen, die Popstars sind die Priester der neuen Zeit. In den Kirchen ist ja eher tote Hose, was Erfüllung und energetische Sättigung angeht, das findet sich ja wirklich eher in einem solchen Rahmen. Love-Parade, Popkonzerte, irgendetwas, was mitnimmt und erfüllt, was einen über den Alltag erhebt und nährt, gleichzeitig aber auch eine starke sexuelle Komponente hat.
Und genau DAS sollte eigentlich unser wahres Leben sein.
Anbindung an etwas, was die Herzen verbindet und in Richtung Himmel geht.
Im Film wird das also durch Julia Roberts, die zu diesem Zeitpunkt wirklich in ihrem Zenit stand, dargestellt und die Macher wollten auch nur sie haben als Hauptdarstellerin.
Des weiteren fällt auf, dass die Anna Scott, also der Filmstar im Film, nie übermäßig sexuell attraktiv dargestellt wird. In keiner Szene ist sie aufgedonnert, hat einen sexy Rock an, ist irgendwie auf Verführung und Männer-Hypnose aus.
Sondern sie wird immer normal und menschlich dargestellt. Fast alltäglich.
Und das ist es eben: die wahre Liebe erscheint zumeist immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet und wenn man sich aufdonnert, um zu gefallen und zu verführen schon mal gar nicht.
Sie treffen sich im Alltag, wenn man es am wenigsten erwartet.
Dann eben, wie ich schon schrieb, ist sie vollversorgt. Ist also nicht gezwungen, sich einen männlichen Versorger zu suchen, mit dem sie ein Nest baut, Kinder bekommt und hofft, dass der genug Geld und Ressourcen ranschafft, um die Kinder groß zu bekommen und dass er nicht zwischendurch wegläuft, während der Mann immer auch die Frage im Unterbewusstsein mit sich rumträgt, ob es auch sein Kind ist, was er hier mühsam groß zieht. Deswegen sind Schwiegermütter auch meist in einem problematischen Verhältnis zu Ehefrauen und tatsächlich, so habe ich mal gelesen, ist die Kindersterblichkeit dort höher, wo Frauen zur Familie der Männer gehen.
Da muss ich eine kleine Annektode einfügen: Als ich Grippe hatte, habe ich mal wieder mehr fern geschaut. Vor allem so Natur- und Reisedokus. Einmal ging es um Bali. Und da gab es eine Szene mit einer Familie, die zu einem spirituellen Heiler ging. Die junge Frau hatte irgendwelche Probleme. Fühlte sich nicht wohl, war oft krank, das Kind auch. Der Ehemann saß daneben und sagte nicht viel, sondern eine ältere Frau redetet. Und der Schamane machte eben seinen Kram und dann beim Rausgehen aus dem Tempel sah man die dicke Frau, den Mann und dann ganz geknickt die junge Frau mit Kind. Da wusste ich sofort Bescheid: die Olle ist die Schwiegermutter und macht der Kleinen das Leben zur Hölle! Das wird so ein Schwiegermonster gewesen sein, die ihren Liebling erst fett gefüttert, dann mit einer eher schüchternen jungen Frau verheiratet hat und jetzt macht die da zuhause den Boss und lässt die nicht in Ruhe.
Der Schamane, oder Geistheiler, hat das aber nicht erkannt, sondern der Ollen noch Honig ums Maul geschmiert, dass sie auch eine Heilerin sei.
Dabei war mir mit einem Blick klar, als die aus dem haus kamen, was da schief läuft... aber gut. Das nur nebenbei.
Diese ganze Kleinfamilie ist, wenn man genau nachdenkt, eine absurde Struktur, die gegenüber anderen Strukturen (Matriachat, Elefantenherde, Orcaschule) einfach enorme Nachteile hat. Die Überlebenschancen eines Elefantenjunges in der weiblich dominierten Herde sind ungleich höher als in den Strukturen, wo es nur an zwei Ernährern hängt.
OK, klar, wir haben auch größere Strukturen mit Großeltern, aber alleine das wir Heime, Betreuer, Familienhilfen und sowas haben, erfinden mussten, zeigt doch, dass da etwas nicht stimmt. Da übernimmt dann der Staat die Rolle der ehemals weiblich dominierten Großfamilie, weil die nicht mehr funktioniert.
Die Anna Scott ist also da versorgt und somit frei, die Liebe zu leben.
Im Film passiert die magische Begegnung eben im Buchladen. Wie ich schon schrieb, ist es auch eine vertikale Liebe. Sie ganz oben. Er eher unten. Also weit über soziale Schichten hinweg. Eigentlich unmöglich.
Und der William begehrt sie auch nicht sexuell. Sondern er sagt, sie ist fabulous - also märchenhaft. Und heavenly - also himmlich.
Und genau so nimmt die wahre Liebe die Frauen wahr: göttlich, himmlisch, märchenhaft, erhebend. Und das ohne Begehren.
Anders der Spike: der begehrt sie, genau wie der Typ im Buchladen, der sie gleich anbaggert und die Typen im Restaurant, die diese Göttlichkeit verbal in den Dreck ziehen.
Und all das ist wenig erhebend, sondern immer so etwas schmutzig, widerlich, unsympathisch - und genau so wurden diese Aspekte auch dargestellt.
Der William aber begehrt die Anna nicht. Für ihn hat sie etwas göttliches, himmlisches. Und genau das sagt auch sein Kumpel Max: "Anna is a godess!" - Der William ist auf einer ganz anderen Ebene und erst, als es passt, und wenn eben die Frau das auch möchte, wenn die Energie da ist, kommen sie sich auch sexuell näher und dann ist es, auch das schrieb ich schon, magisch und die Frau strahlt noch einmal ganz besonders - you are lovelier this morning then you have ever been. - und er meinte es auch so, eben weil es nicht aus dem Begehren kam.
Wenn es ums Begehren (Männer), oder Verführen (Frauen) geht, dann hat man diese Energie nicht. Dann ist das immer etwas dreckig, man hat Schuldgefühle, Fluchtimpulse, fühlt sich ein bisschen dreckig, irgendetwas stimmt da nicht.
Dann sieht man auch bei der Anna, dass sie Fehler macht. Einmal ist da der Freund, mit dem es nicht mehr klappt, ein Macho und Angeber. Aber immer bleibt da diese Öffnung:
Die Julia Roberts spielt das fantastisch. Da ist ein echtes Bedauern zu spüren und keine Spur von Härte oder Arroganz, sondern die Verbindung zwischen beiden bleibt so bestehen. Sie weiß, dass sie da gegen die Liebe verstoßen hat, aber sie ist nicht im Ego, sondern im Herzen. Also grandios gemacht.
Dann quatscht der Spike (eben die von der Liebe abgekoppelte Sexualität) in der Kneipe rum, dass die Anna bei ihnen ist, jemand alamiert die Presse und die Anna fühlt sich verraten und verkauft. Sie wird wütend, fühlt sich ausgenutzt und verletzt und geht da aber etwas zu weit: "I´ll regret this forever!"
Aber auch da: Sie spürt, dass sie den William, als die Liebe, verletzt und bereut es. Die Julia Roberts spielt das wieder genial. Auch da bleibt so eine Verbindung, eine Öffnung bestehen. Der Clip endet leider etwas zu früh.
Also wie gesagt, das sind mal so aus meiner Sicht die Aspekte, die den Erfolg des Films ausmachen und wieso sich da die Menschen so angesprochen fühlen.
Kritiker schrieben, es sei unralistisch. Na klar ist es das. Es ist ein Märchen, eine Geschichte, ein Symbolismus, ein Film, der aber für die menschliche Existenz wesentliche Aspekte darstellt und aufzeigt.
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