Trockenfrüchte.
22.09.2022 13:18Trockenfrüchte sind ja ob ihrer Zweischneidigkeit ein echt großes Thema in der Rohkostszene, oder generell bei einer naturbelassenen Ernährung. Auf der einen Seite sind sie sehr konzentriert, liefern große Mengen Kalorien auf einen Schlag, schmecken sehr konzentriert und zumeist sehr süß und sind an sich eine gute Möglichkeit, Überschüsse haltbar zu machen.
Auf der anderen Seite steht immer die Frage, bei welchen Temperaturen wurden die Früchte getrocknet, also ob es sich überhaupt noch um Rohkost handelt, dann das Thema Überlastungen und natürlich das Thema Zähne, denn Trockenfrüchte kleben ganz anders an den Zähnen als frische Sachen.
Der Usus war, dass man Trockenfrüchte eher wenig, wenn überhaupt, verzehren sollte.
Nun ist mir aufgefallen, dass ich von frischen Früchten oft einen Blähbauch bekomme. Da reichen manchmal schon ein paar Bissen, und ich habe einen dicken Bauch. Keine Ahnung, was da genau passiert, aber so ist es nun mal.
Und das hat mich bisher echt genervt. Gerade im Sommer will man(n) nicht mit einer Fruktosewampe rumrennen.
Und das kommt eben wirklich auch vom frischen Obst, denn bei allen anderen Produkten habe ich das nicht. Gurken, Tomaten, Paprika und Zuccini als Gemüsefrüchte sind auch weitestgehend unproblematisch. Aber ansonsten.. Wampe. Zumindest bei vielen Sachen. Deswegen war ich oft froh, wenn der Sommer endlich wieder vorbei war und man nicht mehr mit dieser Fülle an Früchten konfrontiert wurde. Wie gesagt, die Bäume hängen ja oft brechend voll, der Wein ist heuer unglaublich reichhaltig.
Derzeit haben wir wirklich viele Birnen im Garten. Boscs Flaschenbirne, wie ich finde eine der besten Tafelbirnen überhaupt. Aber auch da: ein paar Bissen und zack, Blähbauch.
Es nervt.
Ich hatte dann schon im Sommer die Idee, also der Pflaumenbaum brechend voll hing, die ganzen Pflaumen einfach auf den Trockner zu legen und für den Winter einzulagern. Also einfach aufgeschnitten, Kern raus und auf den Trockner bei ca. 35°C gepackt. Man weiß ja nie, was die noch mit uns vorhaben und vielleicht ist es keine schlechte Idee, sich etwas einzulagern für den Winter.
So haben wir es jetzt auch mit den Birnen gehalten. Geviertelt, Kerngehäuse raus und zwei Tage bei 35°C auf den Trockner., statt nur so eingelagert und dann fast alles weggeschmissen.
Heute habe ich ein ganzes Sieb leergefressen, weil die so gut waren!
Also nicht nur gut, sondern phänomenal!!!
Und, Überraschung, keinerlei Blähbauch!
NULL.
Das heisst doch im Umkehrschluss, dass es nicht am Zucker per se liegt, sondern dass das Wasser, oder diese wässrige Lösung des Zuckers, das Problem ist.
Mir ist es ja eh schon aufgefallen, dass der Mensch eigentlich ein Konzentratfresser ist.
Wir lieben doch im Grunde konzentrierte Lebensmittel. Je konzentrierter, desto besser. Das merkt man schon, wenn man im Sommer Brombeeren futtert. Sowie es da ein paar Angetrocknete gibt, fährt man voll auf die ab. Dito Kirschen. Sowie es am Baum Angetrocknete gibt, futtert man nur noch die und lässt die prallen Früchte links liegen.
Ich vermute wirklich, dass unser ganzer Organismus, unser ganzes Verdauungssystem auf konzentrierte Lebensmittel ausgelegt ist.
Nummer 1: fettes Fleisch, am besten etwas angetrocknet. Ich habe das mit den Rohkostkindern erlebt, dafür lassen die ALLES stehen und liegen und gehen über Tisch und Bänke.
Nummer 2: Honig und Datteln - dito. Da gehen auch alle voll drauf ab und es braucht die intellektuelle Intervention, um das zu beherrschen.
Nummer 3: Durian (oder Jackfrucht) - die konzentrierteste Frucht.
Nummer 4: fette, konzentrierte Avocados.
Dann fetter Fisch, Knochenmark, Leber, alles etwas angetrocknet, also konzentrierter und schon ist das irgendwie passender und man fährt voll drauf ab.
Die ganzen wässrigen Zuckersachen verursachen hingegen eben oft diesen Blähbauch und erzeugen ein Vollegefühl.
Also wie gesagt, ich habe gerade ein ganzes Sieb himmlischer getrockneter Birnen gefuttert und NICHTS. Keinerlei Völlegefühl, keinerlei Blähbauch.
Wieso ist das so?
Einzig das Wasser ist weg. Alles andere ist ja noch da, selbst die problematischen Zuckerarten Sorbit und Fruktose.
Da stelle ich mir tatsächlich die Frage, ob Trockenfrüchte, oder stark angetrocknete Produkte nicht sogar besser für uns sind als frische Früchte!
Zumindest bei denen, die am stärksten diesen Blähbauch erzeugen.
Aprikosen, Pfirsiche und andere Sachen gehen recht gut.
Also ich hinterfrage hier tatsächlich mal dieses Dogma, dass frisch besser ist.
Wieso bekomme ich dann davon einen Blähbauch, bei den getrockneten, dehydrierten Sachen aber nicht?
Wieso fühlt sich die frische Frucht oft schwer an, die getrocknete aber nicht?
Wenn man mal schaut, dann ist das Kochen ja auch der Versuch, Sachen konzentrierter zu machen. Beim Gemüse geht das Wasser raus, das Steak wird kleiner und knuspriger, Ketchup ist Tomatenkonzentrat pur. OK, bei Nudeln ist es umgekehrt..lol .. aber selbst Sachen aus Früchte haben diese Eigenschaft: Marmelade, Apfelmus, Pflaumenmus. Das sind konzentrierte Früchte mit einem verhältnismäßig geringen Wasseranteil. Man braucht ja nur schauen, wieviele Pflaumen man für ein Glas Pflaumenmus benötigt und dann mal die Pflaumen essen und dann das Mus.
Also ich denke, ihr seht, worauf ich hinaus will.
Die Sache ist nur die, dass die Produkte durch den Kochprozess an Geschmack verlieren, weswegen man wieder Zucker, Salz, Gewürze drankippen muss, während rohe Sachen durch die Dehydrierung
Die Frage ist tatsächlich, ob wir Menschen nicht grundsätzlich eher an konzentrierten (und entwässerten?) Produkten angepasst sind als an frischen Sachen. Wie gesagt, zumindest was bestimmte Früchte angeht.
Es ist einfach auch logisch: je konzentrierter ein Produkt ist, desto mehr Energie bekomme ich.
Und man bevorzugt das, was mit wenigen Bissen die meiste Energie liefert. Oder die meisten Bausteine, wie bei den Proteinen. Deswegen mögen die meisten Rohies generell auch lieber fettes Fleisch statt Linsen oder Erbsen.
Ja schauen wir mal.. auch nach 20 Jahren bleibt es spannend.
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