Wann endlich?

30.09.2021 13:46

So, die Wahl ist gelaufen und man sieht mal wieder, dass die Menschen in der Masse ein "Weiter so!" gewählt haben. Es soll sich nicht zu viel ändern, sondern so, wie es bisher läuft, soll es bleiben. Deswegen hat man den Parteien, die derzeit an der Macht sind, mehr oder weniger bestätigt.

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2021

Vor allem hat die Coronaparteien, also die, die bei dem aktuellsten Thema ungefähr die gleiche Linie fahren, bestätigt. SPD, CDU, Grüne.

Oppositionsparteien wie die AfD, die Basis und die Freien Wähler haben nicht wirklich dazugewonnen.

Diese Erkenntnis ist eigentlich das Erschreckende: man ist im Grunde mit Lockdown, Impferpressung, verkauften und verratenen Grundrechten und eingeschränkter Meinungsfreiheit, derzeit löscht Youtube wieder massiv, einverstanden.

Wäre man es nicht, würde man ja anders wählen.

Macht man aber nicht.

Nur in einer Region, Mitteldeutschland, ist man da mutiger und wählt eine der genannten Oppositionspartei an die Spitze.

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Oder hier bei der Tagesschau:

Was hat das zu bedeuten?

Sind das da alles Nazis? Rechte? Faschisten? Verrückte?

Natürlich nicht.

Im Grunde sehen wir hier das progressive Mitteldeutschland, dass schon 1989 die Wende und die friedliche Revolution getragen haben.

Sachsen hat damals die DDR zu Fall gebracht. Die südlichen Bezirke bis rauf ins heutige Sachsen-Anhalt haben dann mitgezogen.

Am Ende stand die Wende.

Aber, so meine Beobachtung, das, was damals mit der Wende begonnen wurde, wurde nie vollendet. Und genau DAS sehen wir jetzt: die Menschen, die Regionen, die damals schon nach Veränderung und Gehörtwerden gerufen haben, tun es jetzt wieder.

Wie war das denn damals? Also ich erinnere mich noch genau, wie sich plötzlich die Stimmung drehte, wie plötzlich Menschen über die Botschaften "abhauten", wie plötzlich die Grenzen in Ungarn aufgingen, wie plötzlich die ganzen Parteibonzen verunsichert waren, wie plötzlich die ganzen Demos losgingen und TAUSENDE auf den Straßen waren.

Ich erinnere mich an "Wir sind das Volk!" und den Ruf nach Freiheit, Demokratie und eben einer echten Beteiligung derer, auf deren Rücken das ganze System aufgebaut wurde.

Dann kippte die DDR ins Nichts und plötzlich gab es Runde Tische, das Neue Forum, Gespräche, das Begehr nach etwas Neuem.

Das Neue Forum hatte ein hohes Maß an Mobilisierungswirkung. Der Protest auf den Straßen, die Montagsdemonstrationen, aber darüber hinaus nahezu täglich mehrere Demonstrationen in der gesamten DDR und viele Veranstaltungen wurden erheblich durch das Neue Forum und seine Bindungskraft getragen. Außerdem wuchsen Strukturen: Kontaktadressen wurden verteilt, regionale und überregionale Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen bildeten sich, Sprecher wurden gewählt, politische Forderungen wurden gestellt. Die meisten bestimmenden Akteure des Neuen Forums sahen das Ziel ihres Wirkens in Veränderungen in der DDR. Sie strebten kein kapitalistisches Gesellschaftssystem an und gingen von der Zweistaatlichkeit Deutschlands aus.[7] Eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war für sie kein Thema. Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 verlor das Neue Forum mit diesen Positionen und den wenig konkreten Zielen des Gründungsaufrufs (Dialog, Gerechtigkeit, Friede, Demokratie) zunehmend an Einfluss auf die Volksbewegung.

Von Dezember 1989 bis März 1990 arbeitete das Neue Forum mit Vertretern am Zentralen Runden Tisch und (teilweise länger) an lokalen Runden Tischen mit, die mit einer Vielzahl von Forderungen an die bestehende DDR-Regierung und die entsprechendem kommunalen politischen Entscheidungsträger herantraten und die politische Entwicklung in dieser Zeit wesentlich mitbestimmten. 

de.wikipedia.org/wiki/Neues_Forum

Man wollte die Zustände ändern, wollte sich einbringen, wollte Kritik äussern und wollte, dass diese Kritik auch gehört wird.

Das war eine kurze, aber spannende Zeit der Öffnung.

Dann wurde auf den Demos aus "Wir sind das Volk!" ein "Wir sind ein Volk!".

Und innerhalb kürzester Zeit wurde die Energie der Wende gekapert und es dauert nicht lange und der Osten wurde quasi vom Westen übernommen, aufgesogen, über die Treuhand abgewickelt, dabei zum Teil tief gedemütigt und entehrt, und alles, was man in der Wende als positive Energie verspürte, wurde mit der D-Mark zum Schweigen gebracht.

Der Maaz hat das mal treffend gesagt: "Wir haben unsere schöne Wende verschenkt"

Und jetzt erklingt er wieder und immer noch: diese Ruf, die Wende endlich zu vollenden.

Genau DAS sehen wir hier: die Menschen haben das, was sie damals angefangen haben, nicht vollendet. Eben weil die Wende okkupiert und verraten und verkauft wurde.

Aber das Wesentliche der Wende, die Bürgerbeteiligung, die Runden Tische, das neue Forum, dieser Ruf nach echter Beteiligung, Veränderung und Gehört werden, ist bis heute lebendig geblieben. Und das eben genau da, wo man schon damals als erstes und am stärksten aufbegehrte.

Und das ist das, was die Meisten schlichtweg nicht verstehen!

Wobei die Mainstreammedien bei diesem Nicht-Verstehen kräftig mithelfen.

Mitteldeutschland war schon lange vor dem Weltkriegen die progressivste Region in Deutschland. Während man in Bayern, Baden-Würtemberg und anderen Gebieten noch überwiegend landwirtschaftlich strukturiert war, war Dresden das Zentrum der Innovation, aus dem ein Patent nach dem anderen purzelte und ohne den zweiten Weltkrieg, so mal ein ehemaliger Minister, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, wäre Dresden das, was heute Stuttgart und München ist.

Auch war Leipzig damals die erste Stadt auf dem Weg zur zweiten Millionenstadt nach Berlin, lange vor Hamburg und München.

Von der Reformation, die ja hier gleich um die Ecke in Wittenberg ihren Ausgangspunkt nahm, ganz zu schweigen.

Und diese Menschen, die damals die Wende getragen haben, wollen auch heute wieder in ihrer Kritik gehört werden.

Wie war das denn damals?

Ruck Zuck wurde die Wendeenergie gekapert und wir bekamen das westliche System aufoktruiert.

Diese Energie der Öffnung wurde recht schnell kassiert und für andere Zwecke benutzt.

Und dann war 1992 auch schon alles wieder vorbei.

Wir hatten die D-Mark, die Arbeitslosigkeit, den Wiederaufbau... und das westliche System.

Und jetzt klopft das da wieder an der Tür...

Hey! Wir sind noch nicht fertig!! Wir haben damals angefangen, aber wir sind nicht fertig geworden!! Ihr habt es nur zugedeckt mit einem neuen System, dass aber wieder irgendwie den Menschen vergisst. Das nur pseudo-demokratisch ist, nur pseudo-offen.

Und wie so oft: wenn Kritik nicht aufgenommen und ernsthaft bewältigt wird, kommt sie immer extremer daher.

Die Energie der Wende ist noch sehr lebendig!

Genau davor hat man auch Angst.

Deswegen diese ganze Hetze und dieser ganze Mummenschanz mit der AfD.

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